Der Ort
Die Praxis liegt in der Silberherzstraße in der Altstadt von Saarlouis. Auf dem rückwärtigen Grundstück des Anwesens Silberherzstraße 18 stand die Synagoge der jüdischen Gemeinde Saarlouis. Die folgende Chronik fasst zusammen, was über diesen Ort belegt ist.
- 1688
Philipp Schultheiss errichtete das Wohnhaus Silberherzstraße 16/18. Es steht heute als Einzeldenkmal unter Denkmalschutz.
- 1828
Nachdem der hintere Teil des Hauses von Jakob Worms in der Silberherzstraße abgebrannt war, erwarben sechs Mitglieder der jüdischen Gemeinde das Grundstück und ließen dort eine Synagoge errichten. Sie wurde im Frühjahr 1828 eingeweiht. Um 1925 gehörten der Synagogengemeinde Saarlouis etwa 480 Menschen an. Kantor und Lehrer war 1924/25 Rudolf Loewy.
- 1938
In der Pogromnacht im November 1938 zerstörten SA-Leute, unterstützt von Personen aus Saarlouis, das Innere der Synagoge. Nach der Aussage eines städtischen Arbeiters im Synagogenprozess 1949 wurde das Inventar zum Bauhof gebracht. In derselben Nacht wurden die fünf noch bestehenden jüdischen Geschäfte der Stadt geplündert und verwüstet. Im Mai 1939 lebten noch 41 jüdische Personen in Saarlouis. Das Synagogengebäude diente nach 1938 als Lager und Schreinerei, ab 1968 als Gottesdienstraum einer freikirchlichen Gemeinde.
- 1983
Die Synagoge hatte das Novemberpogrom und den Zweiten Weltkrieg weitgehend überstanden. Anfang 1983 wurde das Gebäude abgebrochen. 1986/87 entstand an seiner Stelle ein Neubau in Anlehnung an die ursprünglichen Formen. Am 9. November 1987 wurde darin ein Gedenkraum für die Synagoge und die jüdische Geschichte der Stadt eingeweiht.
- 2022
Am 23. September 2022 wurde der Platz vor der ehemaligen Synagoge als Esther-Bejarano-Platz eingeweiht. Der Stadtrat hatte die Benennung am 9. September 2021 einstimmig beschlossen.
Esther Bejarano wurde am 15. Dezember 1924 als Esther Loewy in Saarlouis geboren, als Tochter von Rudolf Loewy. 1925 zog die Familie nach Saarbrücken. Ihre Eltern Rudolf und Margarete Loewy wurden im November 1941 nach Kowno (Kaunas) deportiert und ermordet. Ihre Schwester Ruth Loewy starb 1942 auf der Flucht. Esther Loewy wurde im April 1943 nach Auschwitz deportiert, spielte dort im Mädchenorchester und wurde im November 1943 in das Konzentrationslager Ravensbrück überstellt. Sie überlebte. Nach dem Krieg berichtete sie in Schulen und auf Veranstaltungen von dieser Zeit. 2014 wurde sie Ehrenbürgerin von Saarlouis. Sie starb am 10. Juli 2021 in Hamburg.
Erinnern heute
Der Gedenkraum befindet sich im Neubau an der Stelle der Synagoge im Postgässchen. Vor dem Haus Bierstraße 17 erinnern Stolpersteine an Rudolf, Margarete und Ruth Loewy. Vor dem Haus Silberherzstraße 3 erinnert ein Stolperstein an Fritz Ellmer, der 1942 im Konzentrationslager Sachsenhausen ermordet wurde.
Daniel Kerkow hat diese Seite eingerichtet, weil die Praxis an diesem Ort liegt und er an seine Geschichte erinnern möchte.
Quellen
- Alemannia Judaica (Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum): Saarlouis – Synagoge.
- Kreisstadt Saarlouis: Teildenkmalliste (Stand 09/2018).
- Aktion 3. Welt Saar: Gegen das Vergessen – Orte des NS-Widerstandes und Terrors im Landkreis Saarlouis.
- Kreisstadt Saarlouis: Willkommen auf dem neuen „Esther-Bejarano-Platz“ (10.10.2022).
- Kreisstadt Saarlouis: Stadtmagazin 1/2022.
- Journal on European History of Law 1/2023: Der Esther-Bejarano-Platz in Saarlouis.
- Wikipedia: Liste der Stolpersteine in Saarlouis.
- Wikipedia: Esther Bejarano.
